Mitleid

Auf dem Elektro-Wecker prangte eine "4" vor dem Komma, die Laune war schlecht, die Frisur ruiniert. Aber das Kind schrie.

Wir hatten ausgemacht, vor 5 Uhr keine kindlichen Anfragen zu bearbeiten, schon aus Prinzip nicht. Doch das Kind schrie.

Wir wechselten uns ab. Zogen alle Register, wurden dabei immer wacher, liefen zu Hochform auf. Und das Kind schrie.

Wir lagen nebeneinander, sahen uns an; und ohne ein einziges Wort gewechselt zu haben betteten wir uns zur letzten halben Schlafstunde vor dem dräuenden Arbeitstag. Nach einer halben Minute hörte das Kind auf zu schreien.

Wir vermuten, es hat irgendwie gespürt, wie entschlossen (und todmüde) seine Eltern geworden waren.

Und dann hat es Mitleid bekommen.

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Fragen und Freuden einer Vaterschaft

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